Rückenschwimmerin und Ophelia sind Teil der Ausstellung Über der Unterfläche der Fondation Jetzt Kunst.

Freibad Letzigraben (Max-Frisch-Bad)

7.1. - 7.3. 2021. 

Offen täglich von 9 -17 Uhr 

Eintritt frei

Mit der freundlichen Unterstützung von Walser Kunststoffwerk AG.

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Ophelia

Rückenschwimmerin

​Rückenschwimmerin

(im Pool) und Ophelia

(im Teich)

In der Badi spielen die Geschlechtsorgane eine zentrale Rolle. Es fängt mit den Umkleidekabinen an, welche die Besucher*innen ganz klar in nur zwei Gruppen einteilen. Das Geschlechtsorgan, mit dem jemand ausgestattet ist (oder sein sollte), bestimmt, wo man sich umziehen darf, zeigt auf, mit welchem). Ausserhalb der Kabinen werden die Geschlechtsteile dann wieder von Badehosen und -kleidern verdeckt. Im Eingangsbereich des Max Frisch Bades steht eine Statue, bei der das männliche Geschlechtsorgan, der Penis und der Hodensack, deutlich zu sehen ist. Daraufhin ist mir aufgefallen, dass es im ganzen Bad keine visuelle Darstellung der Vulva gibt. Ich habe dann nackte Frauenstatuen im öffentlichen Raum der Stadt Zürich auf die Sichtbarkeit ihrer Vulva hin untersucht, bin aber leider nicht fündig geworden: Die Stelle, an der sich die Vulva befinden sollte, ist flach, sozusagen leer. Es gibt kein abstrahiertes, dreidimensionales Symbol für die Vulva. Auch in der Sprache taucht die Vulva kaum auf. Viele Menschen sprechen von Vagina, wenn sie vom weiblichen Geschlechtsorgan sprechen. Die Vagina bezieht sich jedoch ausschliesslich auf die Körperöffnung, die die Vulva mit den inneren Geschlechtsorganen verbindet. Die Vulva dagegen bezeichnet den äusseren, sichtbaren Teil des weiblichen Geschlechtsorgans. Hierzu gehören der Venushügel, die inneren und äusseren Lippen, der Eingang der Harnröhre und das, was man von der Klitoris sehen kann. 

 

Die fehlenden Vulven im Stadtbild (Statuen) und im Sprachgebrauch deuten auf Scham und Tabuisierung hin. Dahingegen zeigt sich das männliche, sichtbare Geschlechtsorgan auf etlichen Statuen in der Stadt und sogar im Max Frisch Bad, wo Geschlechtsorgane normalerweise verdeckt werden, offen und problemlos. In diesem Fall schämt sich niemand. Warum ist das so?

 

Die Vulva ist im öffentlichen Raum unsichtbar. Deshalb habe ich eine Formsprache für die Vulva entwickelt und zeige sie im öffentlichen Raum. Um dem Tabu, das der Vulva anhaftet, entgegenzuwirken, habe ich sie als lustige, aufblasbare Objekte gestaltet. Sie sind keine naturgetreue Abbildung der Vulva, sondern eine Abstraktion, ein Symbol, das man sich gut merken kann, eine Form, die man gut in Stein meisseln könnte bei der Darstellung einer aufrechtstehenden Frauenstatue. Die Perspektive, die ich gewählt habe ist die einer auf dem Rücken schwimmenden Frau. Beim Spaziergang mit der Familie durch die Badi kann man sich so nicht mehr nur über die männlichen Geschlechtsorgane der Statue unterhalten, sondern auch noch über die schwimmende Vulva. So wird die Vulva im öffentlichen Raum sichtbar und vielleicht bald natürlicher Teil der Sprache und der visuellen Kultur.

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© 2021 by Laura Locher